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Dienstag, 10. März 2015

MH17-Erklärung der Tagesschau

SU-25 Quelle: Wikipedia
UPDATE. Das westliche Narrativ, dass Aufständische in der Ukraine, mit einem aus Russland geliefertem BUK-Luftabwehrsystem, die malaysische MH17 abschoss, wird weltweit, außerhalb der NATO-Länder, inzwischen als unwahrscheinlich abgelehnt. Aber die Tagesschau will den Propagandakrieg noch nicht für verloren erklären. Sie präsentiert den Entwickler des Kampfflugzeuges, vergisst aber einige wichtige Fragen zu stellen.


Der Artikel der Tagesschau beginnt damit, den Chefentwickler, der als vermutliches Tatflugzeug identifizierten SU-25, Wladimir Babak, als Kronzeuge aufzurufen. Er soll erklärt haben, dass der Kampfjet nur zu Bekämpfung von Erdzielen entwickelt worden wäre, was zweifellos richtig ist. Allerdings behauptet laut Tagesschau Babak, dass das Flugzeug, bei dem Versuch, eine Boing abzuschießen, abstürzen müsste. Leider gibt es, wie oft in den Qualitätsmedien, keine Möglichkeit, die Quelle durch eigene Übersetzung und Aussagenanalyse zu überprüfen. Es wird auf ein Interview von Babak gegenüber dem WDR, NDR und der SZ hingewiesen, dessen Wortlaut weder im Original, noch übersetzt, verlinkt angegeben wird.

SU-25 STÜRZT IM LUFTKAMPF IN GROSSER HÖHE AB


Wenn man die Diskussionsseiten auf Wikipedia verfolgt hat, stellt man fest, dass zunächst versucht worden war, der SU-25 sogar überhaupt eine Gipfelhöhe von 10.000 m abzusprechen. Inzwischen sind aber Aussagen von ehemaligen Piloten bekannt, die die SU-25 sogar schon bis auf 15.000 Meter getrieben hatten. In Wikipedia kann man auch die tatsächliche Aussage von Vladimir (statt Wladimir) Babak lesen. Laut Diskussion erklärte er, dass es "unwahrscheinlich" wäre, dass eine SU-25 den Abschuss hätte durchführen können. Das war auch schon lange vor dem Interview der Tagesschau bekannt. Es ist anzunehmen, dass dies auch der Grund war, warum die Tagesschau ihn interviewte. Laut Tagesschau erklärte er nun, dass die Maschine in dieser Höhe nicht schießen könne, "ohne abzustürzen. Denn die SU-25 sei ein Tiefflieger, nur dafür sei sie konstruiert worden". Also weil es ein Tiefflieger ist, muss das Flugzeug abstürzen, wenn es einen Luftkampf durchführt? Warum wurde bei der entscheidenden Aussage nicht nachgefragt?

Soweit Fragen und Antworten des Interviews korrekt wieder gegeben wurden, was man leider ohne die eingeschnittenen Originalquellen nicht bestätigen kann, hört man hier die vorsichtige Aussage eines Entwicklers, der seine Entwicklung, ein Erdkampfflugzeug, verteidigt. Aber es ist nicht die Aussage eines Piloten, der selbst Luftkampf durchgeführt hat. Insbesondere nicht die Aussage eines für besondere Fähigkeiten bekannten Piloten, wie der inzwischen nicht mehr auffindbare Hauptmann Woloschin, von dem ein Augenzeuge behauptete, dass er das entscheidende Flugmanöver durchgeführt hätte.

Tatsächlich kann man von einem drohenden Absturz wegen eines Luftkampfes in 10.000 Meter Höhe, an keiner anderen Stelle etwas in den Wikipedia-Diskussionen finden. Es wäre wirklich wichtig gewesen, den Grund für die Aussage, sollte sie so gemacht worden sein, zu hören. Die Hauptdiskussion ging immer darum, ob die SU-25 überhaupt diese Höhe erreichen kann, und ob ihre Geschwindigkeit ausreicht, sich der Boeing schnell genug zu nähern.


MH-17 WÄRE NICHT ZERBROCHEN


Der Konstrukteur der SU-25 erklärt laut Tagesschau, dass das die Boeing nicht in der Luft zerbrochen wäre, wenn es durch ein Jagdflugzeug abgeschossen worden wäre. Er ist aber Konstrukteur für kleine Jets, nicht Passagiermaschinen. Und er scheint die Theorie verschiedener Analysten nicht gelesen zu haben, dass es a) nicht sofort auseinander gebrochen sein soll, und b) durch einen kombinierten Angriff mit einer Luft-Luft-Rakete UND Sprengmunition aus einer Bordkanone, die gegen gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt wird, zerstört wurde.

BUK ABSCHUSSSPUREN


Leider liefert der Artikel auch keine Quellenangabe zu dem Bellingcat-Foto, mit dem der Abschuss einer BUK nachgewiesen werden soll. Ich habe einen Bericht im Internet gefunden, der aber keine solchen Fotos enthält. Was in dem Bericht vollständig fehlt, ist eine Aussage zu den Spuren am abgeschossenen Flugzeug. Nach Erklärung aller Fachleute, sind die Spuren an der MH-17 in keiner Weise übereinstimmend mit solchen, die man erwartet, und solchen, die man an Flugzeugen fand, die mit einer BUK abgeschossen wurden.

Eine Überprüfung des Fotos wäre natürlich von großer Wichtigkeit. Wurde es an dem genannten Ort aufgenommen, und zu dieser Zeit, und stellt es überhaupt die charakteristische Rauchsäule dar, die nach einem BUK-Abschuss über MINUTEN, und nach ohrenbetäubenden Lärm, zu beobachten ist? Laut Tagesschau heißt es: "Ein Anwohner erzählt: 'Es gab einen Knall, man hat wohl aus der Richtung Stepanowka geschossen. Man hörte einen Knall, dann ein Gezische, dann noch einen Knall im Himmel und dann gab es eine Explosion'".

Er sagte nichts über die typische Rauchsäule. Und es gab demnach 1 Hör-Zeugen, der ein Spektakel bemerkte, das man viele Kilometer entfernt weder übersehen, noch überhören konnte? In dem Video wird von "Anwohnern" berichtet, die nicht genannt werden wollten. Jedoch hört man ihre Aussagen leider nicht.

Schließlich wird wieder ein Feld, das laut "Satellitenaufnahmen" frisch umgepflügt worden war, als mögliche Abschussstelle präsentiert.

Schade, dass schon eine halbe Stunde nach Veröffentlichung des Artikels, die Kommentare dazu abgeschlossen wurden.

 

SUCHE NACH WAHRHEIT


Natürlich kann der Zeuge lügen, der Kapitän Woloschin beschuldigt, auch wenn er unter einem Lügendetektor aussagte. Natürlich kann es Zufall sein, dass die zuständige Fluglotsin, ebenso verschwunden ist, wie Woloschin. Natürlich kann es Zufall sein, dass der Geheimdienst der Ukraine, sämtlich Aufnahmen zwischen dem Tower und der MH-17 beschlagnahmt hat, und nicht veröffentlichen will. Natürlich kann es Zufall sein, dass die Ukraine keine Beweise, bzw. Flugunterlagen über den Tag des Zwischenfalls veröffentlichen will, und nur behauptet, keine SU-25 wäre am Himmel gewesen. Natürlich kann es falsch sein, was Russland behauptet, nämlich dass die veröffentlichten Radardaten korrekt, und von dem entsprechenden Tag stammten. Natürlich kann es sein, dass ausgerechnet bei diesem BUK-Abschuss die typischen Spuren eben nicht am Flugzeug zu finden sind. Und auch für die runden Einschläge, wie von einer Bordkanone, gibt es vielleicht eine andere Erklärung als eine Bordkanone. Und natürlich könnte auch das auf einem Foto als Teil einer Luft-Luft-Rakete identifizierte Beweisstück, durch das holländische Untersuchungsteam, als nicht wichtig gewertet werden. Und natürlich ist möglich, dass eine ganze Reihe von Militärfachleuten, die die BUKs kennen, und Piloten, die das Verhalten von Flugzeugen kennen, irren. Und selbstverständlich lässt sich auch erklären, warum entgegen allen anderen Untersuchungen von Flugzeugunglücken, die Auswertung der Flugschreiber ein Jahr in Anspruch nehmen. Vermutlich kann man auch erklären, warum die Daten, die durch die Motorenhersteller während des Fluges über Funk gesammelt werden, nicht offen gelegt werden. Und sicher lässt sich auch erklären, warum eine Geheimhaltungsvereinbarung abgeschlossen wurde, nach der jede Partei, die an der Untersuchung beteiligt ist, also auch die Ukraine, Einspruch gegen eine Veröffentlichung von Teilen oder der gesamten Untersuchung einlegen kann.

Aber was die Tagesschau da abliefert, ist keineswegs eine Hilfe bei der Suche nach Wahrheit, sondern die suggestive wirkende Veröffentlichung einer These, die für den Leser keinen anderen Schluss zulassen soll.

Je öfter aber solche Artikel erscheinen, desto weniger Wert werden die Ergebnisse der Untersuchung. Denn einmal in den Köpfen, werden nur wenige überhaupt bemerken, dass sie einer suggestiven Falschmeldung aufgesessen waren. 

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UPDATE:
Der des Abschusses verdächtigte Pilot, der laut Medienberichten einige Zeit in Golf-Ländern verbrachte, und nicht erreicht werden konnte, hat nun im deutschen Fernsehen ausgesagt. Er erklärt, dass der erwähnte Vorfall, der von Zeugen berichtet worden war, drei Tage nach dem Abschuss stattgefunden hätte.

Kommentare:

  1. Lieber Jo Menschefreund (oder beim Freitag Linkspazi?),

    ich gehörte bei der FC zu einer der mehr als zwanzig Blogger, die angsichts der Ukraine-Krise wohl kritischer waren, als es der FC-Moderation gefiel. Ich bloggte dort als Alphabetta.
    Viele von uns treffen sich nun in dem eigenen Forum:
    http://fe.termiten.net/

    Nur falls du mal bei ehemaligen Mitstreitern vorbeischauen willst....

    Herzliche Grüße,
    Anja

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  2. Schlimmer noch. Es gibt Augenzeugen, die berichtet haben, ein Jagdflugzeug in unmittelbarer Nähe von #MH17 gesehen zu haben. https://www.youtube.com/watch?v=JMQ28RavEKo

    Andena

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