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Dienstag, 30. Juli 2013

Piraten gegen Creative Commons?

Der Kampf gegen die so von ihnen so genannten „Content-Mafia“ war entscheidend für das Entstehen der Piraten. Die klassische Verwertungsindustrie argumentierte, dass es nicht möglich wäre vom Vertrieb „geistigen Eigentums“ zu leben, weder für die Verwerter, noch für die Erzeuger, wenn das bestehende Schutzrecht aufgeweicht werden würde.. Sie erklärten, dass die „Kostenloskultur“ das Ende der Kultur, das Ende der beruflichen Beschäftigung mit dem geschriebenen Wort bedeuten würde. Was fehlte war der Beweis. Der scheint nun auf dem besten Wege durch Piraten geliefert zu werden.

Das Buch „Piraten auf falschem Kurs“ (1) sollte unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht werden, damit solche Leser, die lieber ein gedrucktes Buch lesen, sich das E-Book ohne Probleme bei einem Book on Demand-Anbieter ausdrucken konnten. Ein weiterer Grund für die Veröffentlichung unter einer Creative Commons Lizenz war der Wunsch zu prüfen, inwieweit solche Veröffentlichungen kannibalisiert würden durch Downloadangebote von Protagonisten, die sich für eben jene Kostenloskultur einsetzten. Darauf hatte ich ausdrücklich in verschiedenen Twitter-Mitteilungen hingewiesen.

Das Buch geht nun offiziell am 1.8. in den Buchhandel, wurde aber von jenen Kostenloskultur-Vertretern bereits am 29.07. zum Download bereitgestellt. Das war zwar legal, aber damit wurde die These der professionellen Verwerter von Texten bestätigt, dass die angeblich gesellschaftlich so wichtige Freiheit, Texte privat kopieren zu dürfen, im Internetzeitalter missbraucht wird. Die Verleger können jetzt nachweisen, dass Creative Commons dazu führen würde, dass Urheber und Verwerter keine Chance mehr hätten einen angemessenen Erlös zu erzielen.

Und wer hat diesen Beweis geliefert? Ausgerechnet Stephan Urbach (@herrurbach), ein ehemaliges Mitglied der Piratenpartei und jetzt noch Mitarbeiter der Piratenfraktion in Berlin, der auch schon wegen seiner gegen die Prinzipien der Piraten verstoßende Zensurforderungen im Internet kritisiert worden war. Und er tat dies unter dem Beifall mehrerer Protagonisten aus dem Umfeld der Piratenpartei.




Damit haben gerade jene dem Gedanken der Creative Commons Lizenz erheblich geschadet, die behaupteten, sich für sie einsetzen zu wollen. Aber so wie keines der drei ehemaligen Vorstandsmitglieder der Piratenpartei bereit gewesen war, aus Angst vor persönlichen Einbußen, sein Buch unter einer Creative Commons Lizenz zu veröffentlichen, und damit dem Gedanken dieser Bewegung enorm schadeten, so hat nun wieder ausgerechnet eine Person aus dem Umfeld der Piraten Munition für die angebliche „Content-Mafia“ geliefert.

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(1) https://www.xinxii.com/piraten-auf-falschem-kurs-p-345546.html    469 Seiten, 3,99 Euro, als PDF, E-PUB und MOBI.

Kommentare:

  1. Erst twitterst Du:

    "Wenn schon #Piraten gg den Geist von #CreativeCommons #CC kämpfen, dann ist das traurig"

    Dann heist es hier plötzlich:

    "ehemaliges Mitglied der Piratenpartei"

    Und dann:

    "unter dem Beifall mehrerer Protagonisten aus dem Umfeld"

    Der Witz an dem ganzen ist ja der Zeitpunkt der veröffentlichung. Kurz vor den Wahlen, um so viel davon zu verkaufen, wie nur irgend möglich. Mit Assistenz bekannter Trolle wie Otla und Tauss, die die Piraten lieber früher als später los werden würden.

    Und dann folgt dieser Satz "Auf Twitter erklärt er jedoch, dass ein Weitergeben der PDF der Lizenz schadet und mit ihr der “Kannibalismus von kostenl."

    Lieber Jo, lügen haben kurze Beine.

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  2. Ich suche noch nach der Lüge ....

    "Auf Twitter erklärt er jedoch, dass ein Weitergeben der PDF der Lizenz schadet und mit ihr der “Kannibalismus von kostenl."
    Das ist übrigens falsch zitiert ....

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  3. Da hat einer das Fragezeichen im Titel übersehen ... kann ja mal passieren.

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  4. Wenn du nicht willst, dass es kostenlos herunter geladen wird, solltest du dein Buch nicht unter eine CC-Lizenz stellen. Du Spaten!

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  5. Erm. Sinn von CC-Lizenzen ist doch gerade, dass Werke kostenfrei heruntergeladen und verbreitet werden können, sofern die vom Autor gestellten Bedingungen eingehalten werden. Deine Bedingungen sind:

    * BY - Namensnennung
    * SA - keine Veränderung
    * NC - nicht kommerziell

    Herr Urbach hat alles drei eingehalten und sich an die Bedingungen deiner CC-Lizenz gehalten.

    Ich verstehe dein Problem nicht, außer, dass du mit deinen Argumenten witzigerweise genau die Schiene fährst, die Schwarz-Gelb fährt a.k.a. "geistiges Eigentum schützen" und "Kostenloskultur stoppen".

    Wenn du Urheber von $dingen sein möchtest, wirst du nicht umhin kommen dich mit Lizenzen zu beschäftigen. Aber einfach eine Nutzen, ohne den Sinn dahinter zu verstehen hat schon notarielle Züge.

    Llama

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    1. Nachtrag, hier gibt es den Torrent: https://docs.google.com/file/d/0Bz5CN5Fp6xhoMzZhbFY4bDZwdVk/edit

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    2. Du hast die Lizenz nicht ganz richtig wiedergegeben. SA steht für "share alike". "Keine Veränderungen" wäre ND ("no derivative works"). Mit einer Lizenz BY-NC-SA erlaubt der Urheber sogar jedem, das Buch umzuschreiben und diese Neufassung zu veröffentlichen, solange er dieses Werk wieder unter den gleichen Bedingungen verfügbar macht.

      Ich frage mich gerade, wie man so blöd sein kann, eine Lizenz einzusetzen, die man offensichtlich nicht verstanden hat. Dabei macht es CC einem wirklich leicht, die Lizenz anzuwenden, denn auf der Website sind die verschiedenen Optionen nun wirklich für Dummies erklärt. Es ist in höchstem Maße lächerlich, aus der eigenen Unfähigkeit im Umgang mit der Lizenz einen Beweis für deren angebliche Schädlichkeit konstruieren zu wollen.

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    3. Du hast natürlich Recht Sebastian :)

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  6. Teilen ist das neue haben.

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  7. "Das Buch „Piraten auf falschem Kurs“ (1) sollte unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht werden, damit solche Leser, die lieber ein gedrucktes Buch lesen, sich das E-Book ohne Probleme bei einem Book on Demand-Anbieter ausdrucken konnten."

    Nur mal so:

    CC wurde ja hier schon erklärt.
    Ein E-Book ist ein Elektronisches Buch, das man mitnichten ausdruckt, weil dann ist es ja kein E-Book mehr.
    Bei "Book on Demand" stellt der Autor dem Anbieter der Plattform das Werk zur Verfügung, das dann bei einer Bestellung gedruckt werden kann. Dazu brauch es keine CC Lizens.

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  8. Nun, mit anderen Worten, ihr wollt gar nicht, dass die Verwertungsindustrie neue Wege sucht. Ihr wollt, das alles beim Alten bleibt. Danke für die Erkenntnis.

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    1. Äh doch. Dein Weg ist aber - gelinde gesagt - dämlich.

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    2. Ich verstehe den hier propagierten "neuen Weg" nicht. Wo ist denn der neue Weg, wenn du scheinbar nicht möchtest, dass man das Buch digital verteilt - Dann wäre es doch wie jeder andere kommerzielle Buchvertrieb?!

      Ich möchte mich auch dem Tenor der Kommentare hier anschließen, die deine Lizenzvergabe kritisiert. Wenn man eine Sache unter eine Lizenz stellt, dann sollte man sich der Konsequenzen bewusst sein und sich nicht hinterher beschweren, wenn die Leute diese Lizenz nutzen. Das ist doch Sinn und Zweck der Lizenz. Wenn ich nicht möchte, dass jeder mein Auto fährt, dann hänge ich auch keinen Zettel mit der Aufschrift "Kann jeder nichtkommerziell benutzen" und dem Schlüssel dran. Wenn ich das doch tue, muss ich damit rechnen, dass jemand mein Auto dann auch fährt.

      Wenn du das nicht möchtest, hättest du das Buch doch unter eine Lizenz stellen können, die den privaten Download der Datei erlaubt und meinetwegen die Weitergabe an eine begrenzte Menge Freunde (im Sinne einer Privatkopie), aber das zur Verfügung stellen für alle im Internet untersagt.

      Ich sehe auch nicht, wo es eine Forderung der Community wäre, alle Bücher unter CC Lizenz zu stellen. Da finde ich realistischere Ansätze, wie sie beispielsweise bei Open Access im wissenschaftlichen Bereich gefahren werden, durchaus sinnvoller.

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  9. Das Buch kann also erst ab dem 1.8. regulär gekauft werden? Warte die ersten Verkaufszahlen ab, bevor du behauptest, CC würde den Verkauf kannibalisiert.

    Sich bereits jetzt zu beklagen wirkt unseriös!

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    1. Der Gag (wenn man das so nennen kann) ist ja gerade, dass man es nicht beweisen kann. Wenn die Verkaufszahlen niedrig sind, kann man sich darüber aufregen dass das nur wegen den bösen Downloads passiert ist, wenn die Verkaufszahlen aber hoch sind (wegen des Werbeeffekts) kann man exakt das gleiche behaupten, dass die ohne Downloads ja noch höher wären.

      Vernünftiger wäre es a priori eine Verkaufszahlenmarke auszugegeben, weil man dann nämlich objektiv durch Über- oder Unterschreitung der Erwartung bewerten kann ob das Buch ein Verkaufserfolg war oder nicht.

      Wenn man das aber nicht eben nicht macht kann man sich seine Argumentation hinbiegen wie man will, und dann ist es auch egal (i.S.v. gleichermaßen unseriös) wenn man sich schon vorher beklagt.

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